coSaturday

Polarisierung, Vertrauensverlust und Fragmentierung in unserer Gesellschaft beeinträchtigen unsere Demokratie, unser Zusammengehörigkeitsgefühl und Resilienz. Sie erschweren zugleich die Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen unserer Gegenwart und Zukunft: Klimawandel, demografischer Wandel, Digitalisierung, wachsende soziale Ungleichheit und der Verlust von Vertrauen in Institutionen.
Das CoSaturday-Projekt hat genau hier angesetzt: In einem innovativen Resonanzformat brachten wir gezielt unterschiedlichste Bürger:innen zu gesellschaftlichen Streitfragen unter Einbindung von Expert:innen zusammen. Dabei haben wir wissenschaftlich untersucht, inwiefern diese Begegnungen und die ganzheitliche Auseinandersetzung mit Konfliktthemen zur gesellschaftlichen Widerstandsfähigkeit beitragen.

Unsere Grundannahme:
Es braucht mehr menschliche Begegnung unterschiedlichster Menschen zu gesellschaftlichen Konfliktthemen. Denn demokratische Resilienz braucht keine Einigkeit – jedoch Offenheit, die Bereitschaft zur Veränderung und die Fähigkeit zur Verständigung, vernetzten Denkens und Lernens.

Ein Raum mit Menschen, die jeweils in 3er Gruppen in einem Stuhlkreis sitzen. Die Menschen unterhalten sich miteinander.Eine Gruppe von Menschen steht in einem Raum. Sie sind teils in kleine Gruppen aufgeteilt, teils alleine. Rechts sieht man ein Buffet.Ein sonnendurchfluteter Raum. Eine Gruppe von Menschen steht vor einem Mann, der neben einem Flipchart zur Gruppe redet.Drei Männer sitzen auf einer Treppe und unterhalten sich miteinander.

Stimmen rund um das Projekt

„Die Krisen der letzten Jahre haben Gräben sichtbar gemacht, die sich vertieft haben. Die Studie von Cociety macht gesellschaftliche Resilienz quantitativ messbar und zeigt, wie sie gezielt gefördert werden kann.“
Prof. Dr. Michael Otto | Stifter von Cociety
„Es braucht mehr Wissen über Probleme, Hintergründe und Zusammenhänge, um alle Menschen mitzunehmen.“
CoSaturday-Teilnehmerin
„Uns hat interessiert, ob gesellschaftliche Resilienz mehr ist als die Summe ihrer Teile. Und die Antwort lautet: Ja“
Dr. Marina Beermann | Geschäftsführerin von Cociety
„Alle werden als wichtiger  Teil des Ganzen gesehen, niemand wird für eine Aussage ver urteilt. Das ist so viel wert.“
CoSaturday-Teilnehmer
„Wenn wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Verständnis füreinander  fördern wollen, müssen wir Themen ganzheitlicher betrachten.“
Anna Keremen | Projektmanagerin bei Cociety
„Ich dachte immer, ich sei total offen - und habe dann im Gespräch gemerkt, wie schnell auch ich bewerte.“
CoSaturday-Teilnehmerin
„Eine nachhaltige Stärkung gesellschaftlicher Resilienz kann gelingen, wenn Dialogformate in Politik und Wirtschaft verankert und so auf allen Ebenen wirksam werden.“
Dr. Josef Merk | Bundesvorstand, Mehr Demokratie e. V.
„So viele unterschiedliche Menschen wie bei den CoSaturdays trifft man sonst an kaum einem Ort.“
CoSaturday-Teilnehmer
"Durch das Format ist mir noch mal bewusst geworden, wie sehr meinen Mitmenschen die echte Begegnung fehlt"
CoSaturday-Expertin

Das Panel – (fast) so vielfältig wie Hamburg

Um die CoSaturdays und ihre Wirkung fundiert zu untersuchen, stellten wir ein Studienpanel von insgesamt 100 Hamburger Bürger:innen zusammen. Dieses Panel ähnelt nach soziodemographischen Kriterien der Vielfalt der Hamburger Bevölkerung und ermöglichte es, die Konfliktthemen möglichst gesellschaftsnah mit Menschen aus unterschiedlichen Milieus, Altersstufen, Herkunfts- und Wohlstandssegmenten und diversem politischen Wahlverhalten zu diskutieren und zu erleben.

Im Rahmen eines Kontroll- und Treatment-Ansatzes wurde das Panel soziodemografisch vergleichbar aufgeteilt. 50 der Teilnehmenden nahmen an den vier Dialogveranstaltungen teil. Die andere Hälfte stellte die Kontrollgruppe dar. Alle Teilnehmenden füllten über zwei Jahre einen Resilienz-Fragebogen aus. Auf diese Weise konnten wir evaluieren, welche Effekte von den CoSaturdays ausgehen.

7 Diagramme: Geschlecht, Alter, Wohnort, Bildungsstand, Migrationshintergrund, politisches Wahlverhalten, Einkommen.

Der CoSaturday-Ansatz

Über einen Zeitraum von zwei Jahren fanden vier CoSaturday-Dialogveranstaltungen statt. Jede Veranstaltung behandelte ein spezifisches gesellschaftliches Konfliktthema: Fleischkonsum/-produktion, Integration im Kontext von Migration, Gleichstellung und Gleichberechtigung in Bezug auf Gender und sexuelle Orientierung sowie konfliktäre Facetten der sozialen Marktwirtschaft.

Dabei ging es uns nicht darum, sofort Lösungen zu finden oder jemanden zu überzeugen, die eigene Meinung zu ändern. Wir wollten einen Raum schaffen, der die Vielfalt von Perspektiven und Zusammenhängen aufzeigt und zusammenbringt. Unser Ansatz basierte auf klaren Spielregeln, fundierten Expert:innen-Impulsen (stets aus den Dimensionen Kultur, Wirtschaft, Politik und Soziales oder Umwelt) und Moderation der Gruppendiskussionen.

Diese Stationen haben die 50 Teilnehmenden der Treatmentgruppe an einem typischen CoSaturday durchlaufen:

1. Themen-Reveal

Eine Frau steht auf einer Bühne. Neben ihr ist ein Fernseher mit einem Präsentation-Slide.

2. World-Café-Runden

Ein Raum mit Menschen sitzen an einem Tisch. Im Vordergrund sehen wir einen Laptop mit einer offenen Präsentation.

3. Expert:innen Impulse

Eine Frau hält eine Präsentation. Sie hat Zettel in der Hand und redet. Rechts neben ihr ist ein Fernseher mit einem Präsentations-Slide.

4. Dialog & Moderation

Ein Stuhlkreis mit Menschen und links ein Flipchart. Zwei Menschen - eine Frau mit Rollator und ein Mann - schauen in die Kamera.

5. Voten & Priorisieren

Eine Gruppe von Menschen schaut jeweils auf ihre Handys. An der Wand ist ein QR-Code angebracht, den ein Mann gerade scannt.

6. Fishbowl-Diskussionen oder „Sprechen & Zuhören“

Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Raum auf einer Tribüne. Sie sind in 2er bis 3er Gruppen aufgeteilt und unterhalten sich miteinander.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie liefern uns einen klaren Befund: Wenn unterschiedlichste Menschen in einem strukturierten, geschützten Rahmen über gesellschaftliche Konfliktthemen sprechen, verändert es ihre Resilienz. Dies zeigt sich auf zwei Ebenen: quantitativ messbar und qualitativ beobachtbar.

Das Projekt belegt, dass bestimmte auf Resilienz-bezogene Fähigkeiten und Haltungen erst durch gezielte soziale Interaktion entstehen. Cociety nennt diese transaktionale Resilienzfaktoren. Bei den Teilnehmenden der Dialogveranstaltungen - der Treatmentgruppe - haben sich im Gegensatz zur Vergleichsgruppe drei davon statistisch signifikant verändert - völlig unabhängig von ihrem Alter, der politischen Haltung, Bildung oder Herkunft. Wir konnten also kollektiv Resilienz stärken. Nachweisen können wir dies durch ein verändertes Antwortverhalten der Treatmentgruppe in Bezug auf einen Resilienz-Fragebogen, den das Panel über die zwei Jahre regelmäßig ausgefüllt hat.

- Faktor „Offenheit“
„Ich bin offen, durch den Austausch zu gesellschaftlichen Konfliktthemen mit anderen Neues zu lernen“

- Faktor „Kritisches Denken“
„Wichtige gesellschaftspolitische Fragen kann ich gut verstehen und einschätzen“

- Faktor „Verantwortungsbereitschaft“
„Damit unsere Gesellschaft gut funktioniert, braucht es Menschen, die für sich und andere Verantwortung übernehmen“

Die Ergebnisse sind die Grundlage für ein dreistufiges Entwicklungsmodell, welches Cociety hieraus ableitet. Es zeigt, wie gesellschaftliche Resilienz durch die ganzheitlichere Auseinandersetzung mit Konfliktthemen und Begegnung von Menschen mit unterschiedlichsten Lebensrealitäten wächst — von der eigenen Haltung hin zur gesellschaftlichen Verantwortung. Vom Ich zum Wir.

1

Mut zur Offenheit

Die Bereitschaft, mit anderen Menschen in den Austausch zu gehen, selbst bei komplexen Themen, sich selbst zu reflektieren und Neues zu lernen, ist die Basis für alles Weitere: Denn ohne Offenheit kein Zuhören, kein Perspektivwechsel, keine Veränderung.

2

Kritisches Denken


Verständnis von politischen Zusammenhängen ist wichtig für politische Selbstwirksamkeit, Grundlage für Meinungsbildung, Partizipation und damit zentrale Kompetenz zur Stärkung der Demokratie.

3

Bereitschaft zur Verantwortung


Eine resiliente Gesellschaft zeugt vom Bewusstsein sozialer Zusammenhänge und Abhängigkeiten sowie der Bereitschaft, sich einzubringen und ein  „Teil eines größeren Ganzen“ zu sein.

Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen zudem, dass:

100 %

würden wieder an einem CoSaturday teilnehmen

98 %

fanden, ihre Meinung frei äußern zu können

93 %

fanden den Austausch wichtig

80 %

haben Neues gelernt

78 %

verstanden Gegenpositionen besser

60 %

sprachen im Alltag weiter über die Themen

Durch qualitative Beobachtung hat sich bestätigt: Menschen können beeinflussen, wie resilient sie sind. Wir haben resilienzfördernde und resilienzhemmende Coping-Strategien identifiziert.

DieTreatmentgruppe entwickelte sich über zwei Jahre merkbar: weniger defensive Haltungen, mehr Zuhören, offenere Dialog- und Lernbereitschaft. Veränderte Kommunikations- und Konflikt- Skills. Das Format diente damit als Schutzfaktor und hat eine Mikro-Öffentlichkeit simuliert, in der der gesellschaftliche Aushandlungsprozess erfolgreicher gestaltet worden ist.

„Ich lerne aus anderen Sichtweisen“

resilienzfördernd

„Andere haben dieselben Probleme“

resilienzfördernd

„Veränderungen sind ganz natürlich“

resilienzfördernd

"Ich suche mir nur Gleichgesinnte"

resilienzhemmend

"Woanders ist es viel schlimmer!"

resilienzhemmend

"Das geht mich alles nichts an!"

resilienzhemmend

"Ich sehe nur das, was ich sehen will"

resilienzhemmend

"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll"

resilienzhemmend

FAQ

Wen und was braucht es für eine resiliente Gesellschaft?

Gesellschaftliche Resilienz ist das Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses. Unsere Studie zeigt, dass drei Fähigkeiten dabei eine zentrale Rolle spielen: Offenheit, kritisches Denken und Verantwortungsbereitschaft. Diese sogenannten transaktionalen Resilienzfaktoren wachsen vor allem dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Meinungen in den Austausch treten - gestützt durch fachlichen Input, der ein Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.
Was das konkret bedeutet: Es braucht Räume und Formate, die genau das ermöglichen – strukturiert, fachlich, offen und ohne den Druck, eine gemeinsame Meinung finden zu müssen. Und es braucht Akteure, die diese Räume schaffen: Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger:innen.

Was sind „Transaktionale Resilienzfaktoren“?

Resilienz kennen die meisten als individuelle Fähigkeit – die innere Stärke, mit Krisen, Rückschlägen und Veränderungen umzugehen. Transaktionale Resilienzfaktoren gehen einen Schritt weiter: Sie beschreiben Fähigkeiten und Haltungen, die erst durch eine soziale Interaktion entstehen oder wachsen, also an der Schnittstelle zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Deshalb nennen wir sie „transaktional": Sie entstehen durch das gesellschaftliche Gespräch, und im Aushandlungsprozess mit anders Denkenden.
In unserer Studie haben wir drei solcher Faktoren identifiziert, die durch das CoSaturday-Format messbar gestärkt wurden bei den Teilnehmenden: Offenheit, kritisches Denken und Verantwortungsbereitschaft. Diese drei Faktoren bilden gemeinsam die Grundlage für ein dreistufiges Entwicklungsmodell gesellschaftlicher Resilienz: Vom Ich zum Wir.

Können die Erkenntnisse der Hamburger Studie auf andere Regionen oder Städte übertragen werden?

Die Studie wurde bewusst mit einem Panel von 100 Hamburger Bürger:innen als Pilotstudie angelegt. Das ermöglichte eine methodisch saubere und tiefgehende Untersuchung, bedeutet aber auch: Die Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar eins zu eins auf ganz Deutschland übertragen. Die Größe des Panels muss hierbei bedacht werden.  
Was sich jedoch sagen lässt: Die Ergebnisse sind statistisch nachweisbar  und liefern wertvolle Hinweise darauf, wie ähnliche Formate auch andernorts wirken könnten. Eine Übertragung auf andere Städte oder Regionen ist grundsätzlich denkbar. Cociety empfiehlt jedoch  zunächst niedrigschwelligere Formate, die die Grundprinzipien der CoSaturdays aufgreifen. Cociety plant die Skizzierung verschiedener Skalierungsmodelle ab 2027.

Kann ich die Ergebnisse der CoSaturday-Studie für meine Arbeit oder Organisation nutzen?

Wir freuen uns, wenn die Erkenntnisse aus der Studie weitergetragen und genutzt werden. Wenn ihr die Studie als Quelle zitieren möchtet, verwendet bitte folgende Angabe:

Cociety (2026): Vom Ich zum Wir, Hamburg.

Für die Nutzung von Bildmaterial meldet euch bitte unter kontakt@co-ciety.org. Bitte gebt bei Verwendung das Copyright „Cociety" an. Bei Fragen zur Studie oder zu einer möglichen Zusammenarbeit sind wir ebenfalls unter dieser Adresse erreichbar.

Wie wurde die Wirksamkeit der CoSaturdays wissenschaftlich untersucht und belegt?

Die Studie kombiniert quantitative und qualitative Methoden. So konnten wir die Wirkung des Formats aus mehreren Perspektiven gleichzeitig beleuchten. Quantitativ haben beide Gruppen – Kontroll und Treatment – über den gesamten Projektverlauf fünfmal denselben standardisierten Resilienz-Fragebogen ausgefüllt. Die Auswertung erfolgte mithilfe von Mixed-Effects-Modellen: einer statistischen Methode, die Veränderungen über die Zeit messbar macht und dabei individuelle Unterschiede berücksichtigt. Ergänzend dazu haben die Teilnehmenden der CoSaturdays während der Veranstaltungen selbst Echtzeit-Abstimmungen via Slido ausgefüllt. Auf diese Weise konnten wir unmittelbare Reaktionen und Eindrücke direkt erfassen. Qualitativ haben wir unsere Beobachtungen aus den Veranstaltungen systematisch ausgewertet, um ein tieferes Verständnis der Verhaltensmuster der Teilnehmenden zu gewinnen.

Downloads

Download Management Summary
Download Studie „Vom Ich zum Wir“
Download study "From me to we" - english version

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